Einzelhandel : Zukunft + Trends

22.10.2006

Akquisition ist Kundenbindung

dgy. Das Erkennen, Gewinnen und Pflegen von Kundenbeziehungen ist das Killer-Kriterium für den Erfolg jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Grösse. Angehende Unternemerinnen und Unternehmer mögen in ihrem Thema noch so ausgebuffte Profis sein, wenn sie es verpassen, genügend Aufträge an Land zu ziehen, dann wird das Vorhaben scheitern. Tragisch aber das ist so und das ist auch richtig so.

Wo grosse Firmen den Vorteil der relativen Bekanntheit haben, müssen kleine zuerst auf das Beziehungsnetz der Unternehmerin / des Unternehmers bauen. Wie lässt sich nun herausfinden, ob die eigenen Kontakte ausreichen, um einen erfolgreichen Start sicher zu stellen? Dazu müssen wir zuerst ein paar Fakten rund um unseren Absatzmarkt kennen – oder wollen Sie einfach losrennen und jeden mit Ihrer Leistung „überfordern“ – unabhängig davon, ob die Zielperson überhaupt als Kundin oder Kunde in Frage kommt?

Netzwerk

Vertriebsart kennen
Zuerst müssen wir unsere Basis-Vertriebsart kennen. Knapp gesagt kommen vollende vier Varianten in Frage:

Business-to-Consumer Business-to-Business
Handel x x
Dienstleistung x x

Damit finden Sie heraus, welche Adressen in Ihrem Neztwerk überhaupt für Ihre Akquisition in Frage kommen.
Quantifizierung des Netzwerks
Als nächstes müssen Sie Ihr Netzwerk kennen. Bestimmt führen Sie eine Adresskartei – ist dem nicht so, dann ist es höchste Zeit, eine solche anzulegen. Und wenn Ihre Adresskartei sehr klein ist, dann müssen Sie sie dringend erweitern. Bei einem Standart-Mailing rechnet man mit einer Rücklaufquote von ein bis maximal zwei Prozent. Die Abschlussquote kann auch deutlich tiefer sein. Daraus können Sie ableiten, dass Sie pro 50 Adressen, die Sie haben, etwa einen Interessenten finden. Je nach dem, wie viele Aufträge oder Verkäufe Sie für die Nutzschwelle benötigen, um so grösser muss Ihr Netzwerk sein.
Qualifizierung des Netzwerks
Ihre Zeit ist beschränkt und auch die Mittel, welche Ihnen über die erste, ertragsarme Zeit hinweg helfen, sind knapp. Darum sind Sie drauf angewiesen, rasch die ersten Aufträge an Land zu ziehen. Um hier sicher durch gefährliche Gewässer zu schiffen, müssen Sie das Auftragspotential hinter jeder Adresse in Ihrem Netzwerk kennen. Sie müssen wissen, wo die grossen Budgets abzuholen sind. Gleichzeitig konzentrieren Sie sich nicht auf die allergrössten Mandate, sondern auf jene, die bei möglicht viel potentiellem Umsatz am raschesten Umsatz versprechen. Klassifizieren Sie jede Adresse nach den unten aufgeführten Prioritäten von A bis D. Bei der Akquise gehen Sie

Kurzfristig realisierbar
Längerfristig realisierbar
Grosses Umsatzpotential
A B
Kleines Umsatzpotential
C D

Damit erschlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie verschaffen sich Übung in der Akquisition und wahrschienlich auch die ersten Aufträge.

Konzentrieren Sie Ihre Kräfte

Wenn Sie der Einstieg in die Selbständigkeit von Grund auf und ohne finanzierende Partner in der Hinterhand angehen, dann seien Sie auf der Hut. Um sonst können Sie für jeden nach Belieben arbeiten. Seien Sie wählerisch bei der Auftragsannahme. Ein Mandat anzunehmen heisst auch, es auszufüllen. Ist der Preis zu tief, dann lassen Sie es bleiben.

Wollen Sie ein Referenz-Objekt schaffen, bei dem mehr der Name des Auftraggebers zählt, als der Umsatz, dann müssen Sie besonders auf der Hut sein. Stellen Sie sicher, dass es ein relativ kleiner Auftrag ist, der zeitlich klar begrenzt ist. Sonst kann es Ihnen wiederfahren, dass Sie vor lauter „Gratisarbeit“ keine Zeit mehr finden, die eintreffenden Aufträge mit attraktiven Ansätzen umzusetzen oder gar anzunehmen. Im schlimmsten Fall machen Sie einen Nebenjob, nur um keine Fron-Arbeit-Aufträge annehmen zu müssen.

Kundenbindung vor kurzfristigen Erfolgen

Akquisition ist Kundenbindung und damit ist auch klar, dass nicht jeder Kontakt sofort zu einem Auftrag führt. Stellen Sie sich drauf ein, dass es immer viel länger dauert, bis ein Mandat zur verrechenbaren Leistung wird. Und bis Sie dann eine Rechnung stellen können, geht’s nochmal eine ganze Weile. Darum lohnt es sich, sein Neztwerk regelmässig zu pflegen, ohne immer gleich „und wann kann ich von Dir einen Auftrag erwarten?“ im zweiten Satz zu erwähnen. Als Kleinunternehmerin oder -unternehmer bekommen Sie als Person Aufträge, weil Sie einen guten Drath zum Auftraggeber geschaffen haben. Das dauert seine Zeit und kann nicht erzwungen werden.

Der Zyklus einer Adresse ist immer die selbe:

  1. Identifikation (Kontakt war bisher nicht bekannt)
  2. Beziehungsaufbau (Vorbereitung für einen ersten Auftrag)
  3. Beziehungspflege (Folgeaufträge ermöglichen und sichern)
  4. Reaktivierung (Verlorene und untergegangene Beziehungen wieder aufnehmen, um vielleicht doch mal noch einen Auftrag oder ein Folgegeschäft zu erhalten)
  5. Beziehungsabbruch (Manchmal muss man sich auch von Kunden trennen, entweder weil sie einfach nicht kaufen wollen oder weil sie unwirtschaftliche Leistungen fordern)

Es ist für Sie entscheidend, dass Sie nach erfolgreichem Aufbau Ihres Netzwerks immer und immer wieder neue Kontakte identifizieren. Sollten Sie diesen Schritt vernachlässigen, werden Sie irgendwann eine mächtige Durststrecke erleben, denn die Identifikation und der Beziehungsaufbau sind die langwierigsten Phasen im Rahmen der Kundenbindung.

Ausblick Wachstum

Es gibt zwei wirklich attraktive Stadien einer Selbständigkeit:

  1. Einzeluhnternehmer(in) ohne Mitarbeitende, wo Sie sich nicht um die Führung von Mitarbeitenden kümmern müssen.
  2. Leiter einer Unternehmung, bei dem die Firmengrösse es zulässt, dass Sie sich auf Ihre Führungsaufgabe konzentrieren können.

Der Schritt zwischen diesen beiden Stadien ist – zu mindest aus der Sicht des Autors – die schlimmste Zeit eines Unternehmers. Darum überlegen Sie es sich sehr gut, ob Sie wirklich über die One-Man/-Woman-Show hinaus wachsen wollen. Sie kennen es ja schon, wie hart es ist, für sich selbst genügend Arbeit an Land zu ziehen. Bis Sie sich dann wieder auf das konzentrieren können, was Sie am besten tun und am liebsten machen, dauert es ewig und es wird für Sie eine brutal harte Zeit. Geniessen Sie es, wenn Ihre Bekanntheit derart gewachsen ist, dass die Akquise ein kleiner Teil Ihrer Tagesaufgaben geworten ist, weil Ihre Kunden- und Auftragsbasis Sie trägt. Dazu viel Glück, Spass und Erfolg.

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Dieser Artikel entstand im Rahmen des 1. Deut(sprachig)en Blog-Carneval. Mehr Artikel gibts >>>hier

2 Kommentare »

  1. [...] Schon vor Beginn des Blog-Karnevals hat Burkhard Schneider vom Best-Practice Business-Blog begonnen, aus seinem Archiv Artikel zum Thema zusammenzustellen: Best-Practice-Business: * Die Hintertür-Strategie * Mit kleinen Geschenken kann man große Kunden gewinnen * Risikostreuung ist gerade bei der Kundenakquisition wichtig * Tipps einer erfolgreichen Akquisiteurin * Ein Vertriebscoach als perfekte Starthilfe * Wie man ohne Marketingbudget Aussteller auf einer Messe wird * Gute Elevator Speech als Basis für Vertriebs-Networking * Studentische Mitarbeiter sind potenzielle Kunden von morgen * Die besten Vertriebspartner für den Einzelhandel befinden sich in unmittelbarer Nähe * Durch Weiterbildung Kunden gewinnen * Wie komme ich als Landschaftsgärtner an meine ersten 100 Kunden? * Mach Deine Kunden zu Verkäufern * Gute Vertriebspartner sind meist die halbe Miete * Bestandskunden binden * Mach Deine Kunden zu “Wiederholungstätern” * Mit richtiger Positionierung wie von selbst verkaufen Best-Practice-Business: Kooperieren statt inserieren: Vertriebsorientierte Kooperationsideen auf Gegenseitigkeit Best-Practice-Business: Einseitige Vertriebskonzepte: Beispiele für Vertriebskooperationen Meipor: Kundengewinnung durch Empfehlungen Work-Innovation: Wie funktioniert Networking besser? Interview-Blog: Interview mit dem Interview-Blog: Wie können Existenzgründer ihre potentiellen Kunden zu echten Kunden machen? Torsten Schwarz hat in seinem Archiv diese beiden Beiträge zum Thema des Blog-Karnevals gefunden: Marketing-Börse: 12 Tipps, um bei Google ganz oben zu stehen Marketing-Börse: Sechs Tipps für erfolgreiche E-Mail-Newsletter Akquiseblog : Parabel von der Steckdose und dem Stecker – Die Beziehung zwischen Kunde und Verkäufer ist bidirektional Excellence-Blog: Verkaufen, indem man beim “Jammern auf hohem Niveau” auf den “Deutschen Knopf drückt” Streuverluste: Kunden mit Freundlichkeit und Verbindlichkeit gewinnen Akquiseblog: Erfolgreichere Akquise durch offene Fragen K2 : Das schriftliche Verkaufsgespräch – Checkliste: Fragen zur Eigen-Präsentation on- und offline Streuverluste: Das kürzeste Verkaufsgespräch der Welt Anders denken: Worst-case-Beispiele, um daraus zu lernen: Wie man ganz sicher keine Kunden gewinnt. Selfmade in Austria: Kundenbindung statt Kundenfindung: Tipps, um dauerhaft in Erinnerungen zu bleiben Einzelhandel: Akquisition ist Kundenbindung Agentur Gorus: Neue Kunden finden durch eine Buchveröffentlichung Writingwomans Autorenblog: Akquise – ein Thema für Buchautoren? Den guten Wünschen von Elke für die Umsetzung dieser Ideen kann ich mich nur anschließen. Denken Sie daran, es ist wichtiger anzufangen und mindestens eine Idee auch tatsächlich umzusetzen, als sich von immer neuen Ideen (immer wieder) nur inspirieren zu lassen. [...]

    Pingback von Job & Joy » Bereits 44 Artikel für die Akquise im Business Blog Karneval — 24.10.2006 @ 06:37

  2. [...] interessanten Artikel zum Thema Klassifizierung von Kontakten habe ich übrigens hier gefunden: Akquisition ist Kundenbindung. David Gygax beschreibt darin, wie man ein Netzwerk qualifiziert und seine Kräfte konzentriert. Die [...]

    Pingback von Joachim Rumohr - Der NetworkingCoach » Blog Archiv » Die Tags im XING-Adressbuch für das Networking nutzen — 13.07.2007 @ 05:49


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