dgy. Rund um das Thema Ko-op-Werbung ist der Konflikt zwischen Marken und Händlern Vorprogrammiert. Kosten- und Nutzen-Bedürfnis der beiden Parteien sind stark unterschiedlich. Es gilt, gesunde Kompromisse einzugehen. Dabei steht für uns der Nutzen des Händlers im Vordergrund. Je nach Verhandlungsposition kann er mehr oder weniger seiner Bedürfnisse durchsetzen. Schaffen Sie sich eine bessere Verhandlungsposition, stellen Sie als Händler sicher, dass man Sie kennt und schätzt, dann können Sie sich die sinnlose Investition in Streu- und Massenwerbung sparen.
Die Zielkonflikte
Der Lieferant hat das Bedürfnis, mit seiner Marke möglichst breit und gut sichtbar präsent zu sein, die Massen anzusprechen. Dabei muss er – wie jeder Unternehmer – seine Kosten im Griff behalten. Die Kombination dieser beiden Bedürfnisse führte zur Idee, im Gebiet eines Händlers Werbung für die eigene Marke zu machen.
Der Einzelhändler will in seinem Einzugsgebiet selber zur Marke werden. Darum ist er interessiert daran, sich bei potenziellen und bestehenden Kunden einzuprägen. Dazu wird er in seinem Einzugsgebiet für sich, sein Geschäft, seinen Standort werben. Dabei spielen für ihn die einzelnen Marken noch eine untergeordnete Rolle. Sein Bedürfnis ist die Bekanntheit seines Unternehmens und nicht primär diejenige der Marke.
Würde eine Ko-op-Werbung nun beiden Partnern gleichwertig Nutzen stiften, wäre dieses Konzept eine grossartige Win-Win-Geschichte. In der Praxis ist dies jedoch eine grosse Illusion. Sie wird vor allem von den Lieferanten hochgehalten, um ihre Kosten tief zu halten. Der Profit für den Händler ist – unabhängig von der Präsenz seines Namens auf der Ko-op-Werbung in etwa gleich gross. Entscheidend für ihn ist viel mehr, wie stark er selber am Markt bekannt und vernetzt ist. Dies wiederum ist von anderen Kommunikations-Aktivitäten geprägt als jene, welche die Lieferanten für ihre Markenbildung wünschen. Hat ein Händler eine gute Marktposition in seinem Einzugsgebiet erarbeitet, werden Kunden, welchen die Werbung der Marke wahrnehmen, bei ihrem „Haus-Händler“ nachfragen, ob er die Marke führt oder sie besorgen kann. Es ist einfach so, dass Kunden in der Regel nicht wissen, welche Marken ein Händler führt. Dieses Wissen können Retailer – ausser sie haben richtig grosse Budgets – fast nur über die Präsenz von Marken in ihren Schaufenstern und direkt an ihrem Standort erreichen. Dazu muss die Marke dem Auftritt und dem Erscheinungsbild des Händlers untergeordnet für die Kunden sichtbar werden.
Aufgabenverteilung zwischen Lieferant und Händler
Unabhängig davon, ob eine Marke frisch eingeführt wird oder schon länger bei einem Händler vertreten ist, die Aufgaben der Kommunikation von beiden Seiten ist immer die gleiche: Der Lieferant ist dafür zuständig, dass möglichst viele Menschen die Marke kennen. Sie muss so bekannt sein, dass sie einem Passanten auffällt, wenn er an einem Standort vorbeigeht, der die Marke führt. Sie muss auffallen, wenn der Kunde von einem Händler Informationen erhält, welche die Marke enthält. So ist der Lieferant also in erster Linie Bekanntheit der Marke zuständig. Er verantwortet den Prozess bis die Begehrlichkeit nach der Marke und deren Produkten besteht.
Der Händler auf der anderen Seite ist verantwortlich dafür, dass er die Marken in seinem Sortiment sichtbar und verfügbar macht. Er gibt der eher synthetischen und hohlen Papier-Emotion der Marken ein persönliches, menschliches Gesicht. Dieses Gesicht ist für die meisten Kunden dann das, was sie mit der Marke und dem Einkaufserlebnis als erinnernswert verbinden. Man kennt den Fall von Kunden, die sich in verschiedenen Geschäften zum selben Produkt beraten lassen. Wenn es zum Abschluss kommt, gibt es dann hauptsächlich zwei Kaufgründe, wenn das Produkt klar ist: Entweder der Kunde fühlt sich emotional bei einem bestimmten Händler aufgehoben, weil das Beratungserlebnis und die Chemie mit der Verkaufsperson stimmte. Oder er kauft dort, wo er den besten Preis für das Produkt erhält. Letzteres oft dann, wenn kein Unternehmen es schafft, den Kunden über ein spezielles Erlebnis zu begeistern. Daraus leitet sich ab, dass der Händler für die Marke ab dann zuständig ist, wenn er entweder einen Kunden bereits kennt oder ein neuer Gast das Geschäft betritt.
2% Werbekostenanteil? Richtig einsetzen!
Je nach Marke wird dem Händler von Lieferantenseite ein Werbekostenzuschuss von 2% vom getätigten Einkaufsvolumen zugesprochen. Das sind bei 100′000 Franken Jahreseinkauf gerade mal 2′000 Franken. Und diese soll dann noch für eine Kampagne zu Gunsten der Marke, meist in Inserate- oder Plakatform investiert werden? Die Hälfte sollen Sie an die Ko-op-Werbung bezahlen und kriegen gerade mal einen Fünftel des Platzes und das nur genau so, wie es der Lieferant Ihnen zugesteht? Vergessen Sie es! Lehnen Sie – wenn Sie können – solche Angebote ab. Dieses Budget, auch wenn Sie als Händler den Betrag verdoppeln – bedeutet Treten am Ort für Sie und primär Präsenz für die Marke.
Für den Händler ist die einzige sinnvolle Investition rund um eine Marke das bearbeiten identifizierter Kundinnen und Kunden seines Geschäfts. Das kann in Form von Mailings, Events oder Aktivitäten bei sich am Standort erfolgen. Er muss jedoch sicherstellen, dass über eine solche Aktivität immer das Vertiefen der Beziehung zwischen ihm und dem Kunden das oberste Ziel ist. Finger weg von markenschwergewichtiger Massenwerbung. Diese nützt einzig der Marke. Fragen sie mal Ihr Kundinnen und Kunden, ob sie wirklich wissen, welche Marken Ihr Unternehmen führt. Sie werden erstaunt sein, dass sie höchstens jene Marke kennen, welche sie bereits einmal bei Ihnen gekauft hatten.
Fazit
Während die Margen der Händler für Markenprodukte immer weiter sinken, steigen die Auflagen der Lieferanten an die Wiederverkäufer immer weiter. Diesem Mechanismus müssen Sie sich entziehen sonst ruiniert er sie. Als Faustregel gilt: Je tiefer die Marge für den Händler desto grösser die Werbeverantwortung des Markeneigentümers, sprich des Lieferanten. Investieren Sie Ihre Werbebudgets dort, wo sie die Identität Ihres Unternehmens in den Augen Ihrer Kundinnen und Kunden steigern. Verzichten Sie auf Massnahmen mit Streuwirkung. Wenn Sie heute diese Entscheidung nicht frei treffen können, dann kann eine Überlegung sein, wem denn jetzt das Geschäft gehört, welches sie betreiben. Das Risiko haben Sie, haben Sie auch die weitgehend freie unternehmerische Entscheidungsgewalt?



